Kapitel 1
Die Nachricht
Es war einmal eine junge Frau namens Kiki, die bei Regiosucher arbeitete. Tag für Tag entdeckte sie neue Orte, besondere Menschen und Geschichten, die sonst vielleicht niemand bemerkt hätte. Doch an diesem Morgen erschien auf ihrem Bildschirm ein Eintrag, der dort eigentlich nicht hätte sein dürfen.
Kiki ahnte noch nicht, dass eine einzige Entscheidung ihr vertrautes Leben verändern würde. Vielleicht wartete auf sie ein ungelöstes Rätsel, eine große Liebe, eine Reise in eine fremde Welt oder etwas, für das es noch keine Erklärung gab.
Sie atmete tief durch, öffnete den unbekannten Eintrag – und ihre Geschichte begann.
Kapitel 2
Die Karte unter Karlsruhe - Abenteuer
Auf dem Bildschirm erschien weder eine Ortsbeschreibung noch eine Veranstaltung. Der Eintrag bestand nur aus einem vergilbten Foto, einer Zahlenfolge und einem Satz:
„Wer die sieben Zeichen verbindet, findet, was Baden-Württemberg beinahe vergessen hätte.“
Kiki vergrößerte das Bild. Es zeigte einen Mann vor einer steinernen Treppe. Er trug einen langen Mantel und hielt eine zusammengerollte Karte in der Hand. Hinter ihm waren mehrere Wege zu erkennen, die strahlenförmig auseinanderliefen.
„Karlsruhe“, murmelte Kiki. „Fächerstadt. Das war fast zu einfach.“
Die geografischen Koordinaten bestätigten ihre Vermutung. Sie führten in die Nähe des Karlsruher Schlosses. Allerdings endete die Zahlenfolge nicht dort. Hinter den Koordinaten standen sieben Zeichen: ein Fächer, ein Ring, ein Rad, eine Tanne, ein Hirsch, eine Feder und ein Schlüssel.
Kiki druckte das Foto aus, steckte eine Taschenlampe, ihr Notizbuch und drei Müsliriegel ein und informierte ihre Kollegin darüber, dass sie einen Außentermin habe.
„Mit wem?“, fragte die Kollegin.
„Mit der badischen Geschichte.“
„Klingt anstrengend.“
„Ich hoffe, sie zahlt wenigstens den Kaffee.“
Vom Schlossplatz aus verglich Kiki die Fächerform der Karlsruher Straßen mit dem Foto. Bald bemerkte sie, dass der Mann nicht direkt vor dem Schloss gestanden hatte. Der Winkel der Wege passte nur, wenn man das Bild aus der Perspektive des Schlossgartens betrachtete. Dort führte die Spur zu einer alten steinernen Brüstung.
Unter einer Sitzplatte entdeckte Kiki eine eingeritzte Fächerform. Sie war deutlich neuer als der Stein und vermutlich absichtlich unauffällig angebracht worden. Daneben stand:
Nicht die Strahlen weisen den Weg. Der Mittelpunkt tut es.
Kiki sah zum Schlossturm. Karlsruhe war einst planmäßig vom Schloss aus angelegt worden. Wenn das Rätsel den Mittelpunkt meinte, musste sie dorthin zurück, von dem die Straßen und Alleen ausstrahlten.
Bevor sie losgehen konnte, sprach sie ein älterer Mann an.
„Sie suchen etwas, das Sie besser ruhen lassen sollten.“
Kiki drehte sich um. Der Mann war vielleicht siebzig, trug einen braunen Hut und stützte sich auf einen Spazierstock, obwohl er ihn offensichtlich nicht benötigte.
„Falls Sie meinen Parkplatz meinen, haben Sie vermutlich recht.“
Er lächelte nicht. „Mein Name ist Emil Hartmann. Ich war vierzig Jahre lang Heimatforscher. Das Foto, das Sie in der Hand halten, kenne ich.“
Hartmann führte Kiki in ein kleines Café am Zirkel. Dort legte er eine lederne Mappe auf den Tisch. Sie enthielt Kopien alter Briefe und eine Zeichnung mit denselben sieben Zeichen.
„Die sogenannte Sieben-Zeichen-Karte“, erklärte er. „Sie tauchte erstmals 1952 im Nachlass eines Buchdruckers auf. Manche hielten sie für eine Schatzkarte. Andere glaubten, sie führe zu verschollenen Dokumenten aus der Zeit der badischen Revolution.“
„Und was glauben Sie?“
„Dass sie Menschen gefährlich werden lässt.“
Hartmann erzählte von einem privaten Sammler namens Falk Brenner. Dieser hatte jahrelang nach der Karte gesucht. Brenner kaufte historische Dokumente, ließ sie verschwinden und verkaufte einzelne Stücke an wohlhabende Sammler weiter. Hartmann hatte einst mit ihm zusammengearbeitet, bis er dessen Methoden durchschaute.
„Warum warnen Sie mich?“
„Weil dieser Eintrag nicht zufällig auf Ihrem Bildschirm erschienen ist. Jemand möchte, dass Sie die Suche aufnehmen.“
„Und Sie wissen nicht, wer?“
„Nein.“
Kiki betrachtete die sieben Zeichen. „Das ist kein besonders überzeugender Grund aufzuhören.“
„Neugier ist keine Schutzkleidung.“
„Aber ein guter Antrieb.“
Hartmann seufzte. Dann schob er ihr eine handgezeichnete Skizze zu. Sie zeigte den Grundriss eines früheren Lagerraums unter einem Gebäude nahe dem Schlossplatz. Der Raum war bei Umbauarbeiten entdeckt, dokumentiert und wieder verschlossen worden. Hartmann hatte eine offizielle Genehmigung organisiert, ihn am Nachmittag gemeinsam mit einem Mitarbeiter des Gebäudemanagements zu betreten.
„Sie hatten offenbar damit gerechnet, dass ich nicht auf Sie höre.“
„Ich habe mit vierundzwanzig auch auf niemanden gehört.“
„Und heute?“
„Heute höre ich wenigstens so aufmerksam weg, dass es höflich wirkt.“
Der Lagerraum war trocken, niedrig und leer. An einer Wand verlief eine Reihe alter Ziegel. Kiki bemerkte, dass sieben davon dunkler waren. Sie leuchtete schräg darüber und erkannte eingeritzte Buchstaben. Von links nach rechts ergaben sie jedoch nur:
MEHMENIT
„Das ist entweder ein Geheimwort oder jemand hatte beim Schreiben Schluckauf“, sagte sie.
Hartmann betrachtete die Wand. „Vielleicht lesen wir in der falschen Richtung.“
Von rechts nach links entstand:
TIMENHEM
Auch das ergab keinen Sinn.
Kiki erinnerte sich an den Hinweis: Nicht die Strahlen, sondern der Mittelpunkt. Sie begann beim mittleren Ziegel und las abwechselnd einen Stein rechts, einen links. So entstanden die Worte:
NIMM HEUTE
Unter dem mittleren Ziegel fand sie eine schmale Messingplatte. Darauf war ein Fächer geprägt. Auf der Rückseite standen zwei Zeilen:
Wo Feuer Gold nicht schmelzen soll,macht kaltes Licht den Kreis erst voll.
Außerdem enthielt das Versteck eine gefaltete Karte von Nordbaden. Eine rote Linie führte von Karlsruhe nach Pforzheim, durch den Enzkreis und weiter in den Schwarzwald. Danach verzweigte sie sich in Richtung Böblingen und Ludwigsburg.
Am Rand stand in verblasster Tinte:
Sieben Zeichen. Sieben Bewahrer. Eine gemeinsame Stimme.
Hartmann wurde bleich.
„Was bedeutet das?“, fragte Kiki.
„Dass die Legende falsch überliefert wurde. Es gab nicht einen Verfasser der Karte, sondern sieben.“
Über ihnen knarrte eine Tür. Schritte näherten sich der Treppe.
Der Mitarbeiter des Gebäudemanagements rief: „Herr Hartmann? Frau Kiki? Ist noch jemand bei Ihnen?“
Im Türrahmen erschien für einen Moment die Silhouette einer fremden Person. Dann fiel die Tür zu. Als Kiki die Treppe erreichte, war der Flur leer.
Nur auf dem Boden lag eine Visitenkarte.
Vorn stand: Falk Brenner – Historische Sammlungen.
Auf der Rückseite hatte jemand geschrieben:
Danke, dass Sie den ersten Hinweis gefunden haben.
Kapitel 3
Das Zeichen von Pforzheim - Abenteuer
Am nächsten Morgen fuhr Kiki nach Pforzheim. Hartmann hatte ihr geraten, die Suche abzubrechen, zu warten oder wenigstens Verstärkung mitzunehmen. Kiki hatte sich für eine vierte Möglichkeit entschieden: Sie nahm Hartmanns Telefonnummer mit.
Der Hinweis führte sie in das traditionsreiche Umfeld der Schmuck- und Uhrenstadt. Das Rätsel erwähnte Gold, das nicht geschmolzen werden sollte, und kaltes Licht, das einen Kreis vervollständigte. Deshalb vermutete Kiki, dass es nicht um echtes Feuer ging, sondern um die Untersuchung eines Schmuckstücks.
Hartmann hatte ihr die Adresse einer ehemaligen Goldschmiedewerkstatt gegeben, die heute als privates Atelier genutzt wurde. Die Besitzerin erlaubte Kiki, einen alten Arbeitstisch zu untersuchen, der aus dem Nachlass eines Pforzheimer Goldschmieds stammte.
Auf der Tischplatte waren winzige Kreise, Zahlen und Metallzeichen eingeritzt. Kiki erkannte die Zahl 79.
„Gold“, sagte eine Stimme hinter ihr.
Kiki fuhr herum. Eine Frau mit dunklen Locken und grüner Jacke stand in der Tür. Sie war etwas älter als Kiki und hielt eine kleine UV-Lampe in der Hand.
„Die Ordnungszahl von Gold ist neunundsiebzig“, fuhr die Fremde fort. „Falls du gerade überlegt hast, ob es die Hausnummer eines sehr kleinen Hauses ist.“
„Und Sie sind?“
„Leona Voss. Restauratorin.“
„Zufällig hier?“
„Natürlich. Ich betrete ständig fremde Ateliers mit UV-Lampen.“
Kiki verschränkte die Arme. „Brenner hat Sie geschickt.“
Leonás Blick fiel auf die Messingplatte mit dem Fächer. Damit war die Frage beantwortet.
„Er hat mich beauftragt, die sieben Zeichen zu finden“, gab Leona zu. „Er behauptete, es gehe um verlorene Familiendokumente. Inzwischen glaube ich ihm kein Wort mehr.“
„Das ging schnell.“
„Er hat gestern versucht, mich aus dem Projekt zu werfen, nachdem ich Fragen gestellt hatte. Jetzt möchte ich herausfinden, was er unbedingt vor mir verbergen wollte.“
Kiki wollte ihr nicht vertrauen. Andererseits hielt Leona genau das kalte Licht in der Hand, von dem das Rätsel sprach.
Gemeinsam untersuchten sie die Arbeitsplatte. Unter UV-Licht erschienen Linien, die mit bloßem Auge unsichtbar waren. Sie verbanden mehrere der eingeritzten Kreise zu einer Kette.
In der Mitte befand sich ein Kreis mit der Zahl 79. Von dort führten Linien zu den Zahlen 47, 29 und 26.
„Das sind ebenfalls Ordnungszahlen“, sagte Leona. „Silber, Kupfer und Eisen.“
Neben jedem Kreis stand ein Buchstabe. Bei Gold ein R, bei Silber ein A, bei Kupfer ein D und bei Eisen ein E.
„Rade“, las Kiki.
„Oder man muss die Metalle nach ihrem Wert sortieren.“
Sie ordneten Gold, Silber, Kupfer und Eisen. Die Buchstaben ergaben wieder R-A-D-E.
„Vielleicht fehlt etwas“, sagte Kiki.
In die Tischkante war ein kleiner Ring eingelassen. Leona drehte ihn vorsichtig. Eine verborgene Schublade sprang auf. Darin lag eine silberfarbene Scheibe mit dem zweiten Zeichen: einem Ring. Auf ihrer Rückseite stand der Buchstabe T.
Daneben lag ein Papierstreifen:
Gold gibt den Anfang. Eisen das Ende.Doch der Weg dreht sich wie das Werk der Hände.Nimm jeden zweiten Zahn.
In der Schublade befand sich außerdem ein kleines Zahnrad mit sechzehn Zähnen. Acht waren mit winzigen Buchstaben versehen. Kiki begann am goldfarben markierten Zahn und las jeden zweiten Buchstaben im Uhrzeigersinn:
R A D E L N I M
„Radel nim?“, fragte sie.
Leona drehte das Zahnrad um. „Werk der Hände. Wir müssen gegen den Uhrzeigersinn lesen.“
Nun ergaben die Buchstaben:
IM ENZ RAD
Kiki legte das Zahnrad auf die alte Karte. Im Enzkreis war ein kleines Wasserrad eingezeichnet, nahe einer fiktiv markierten, längst aufgegebenen Werkstätte außerhalb einer Ortschaft.
„Das dritte Zeichen ist ein Rad“, sagte Kiki. „Wir suchen also dort.“
In diesem Moment betrat ein Mann im grauen Mantel das Atelier. Er blieb höflich an der Tür stehen.
„Frau Voss“, sagte er. „Herr Brenner ist enttäuscht.“
„Das kann er in sein Tagebuch schreiben.“
„Er möchte lediglich die Gegenstände zurück, die ihm gehören.“
„Die gehören ihm nicht“, erwiderte Kiki.
Der Mann lächelte. „Sie wissen noch gar nicht, wem sie gehören.“
Er ging wieder. Kurz darauf hörten sie draußen einen Motor starten.
Leona sah Kiki an. „Wir sollten uns beeilen.“
„Wir?“
„Du hast die Karte. Ich kenne alte Materialien, Schriften und Restaurierungstechniken.“
„Und du hast bis gestern für Brenner gearbeitet.“
„Ein kleiner Schönheitsfehler.“
Kiki steckte das Zahnrad ein. „Ich behalte die Karte.“
„Einverstanden.“
„Ich bestimme die Route.“
„Wenn sie vernünftig ist.“
„Und wir teilen alle Informationen.“
Leona zögerte eine Sekunde zu lange.
Kiki hob eine Augenbraue.
„Gut“, sagte Leona. „Alle Informationen.“
Auf der Straße entdeckte Kiki einen schwarzen Wagen, der auf der anderen Seite parkte. Hinter der Windschutzscheibe saß niemand. Dennoch blinkte auf dem Armaturenbrett kurz ein rotes Licht.
Eine Kamera.
Kiki zog ihr Handy heraus und fotografierte das Kennzeichen.
„Wir werden beobachtet“, sagte sie.
„Das ist schlecht.“
„Nicht nur. Wer uns beobachtet, weiß offenbar selbst nicht, wohin die Karte führt. Sonst würde er uns nicht folgen.“
Leona grinste. „Du bist entweder sehr mutig oder ausgesprochen leichtsinnig.“
„Ich bin ausgezeichnet im Multitasking.“
Sie verließen Pforzheim auf getrennten Straßen und trafen sich später an einem vereinbarten Punkt wieder. Im Rückspiegel tauchte der schwarze Wagen nicht mehr auf.
Auf der Messingscheibe mit dem Fächer war inzwischen etwas sichtbar geworden. Das kalte UV-Licht hatte eine zuvor verborgene Schrift zum Leuchten gebracht:
Das erste Zeichen zeigt den Ort.Das zweite bestimmt die Reihenfolge.
Kiki legte Fächer und Ring nebeneinander. Plötzlich verstand sie: Die Zeichen waren nicht nur Wegmarken. Jedes von ihnen erklärte, wie der nächste Hinweis gelesen werden musste.
Und irgendwo im Enzkreis wartete ein Rad darauf, die Karte weiterzudrehen.
Wie soll die Geschichte weitergehen?
Fortsetzungen nach Beliebtheit sortieren
Unterwegs durch den Enzkreis - Abenteuer
Abenteuer
Diesen Weg weiterlesenEine Fortsetzung vorschlagen
Sie sind derzeit nicht berechtigt, eine Fortsetzungsidee einzureichen.
Kommentare (0)
Noch keine Kommentare vorhanden.
Zum Kommentieren ist eine Anmeldung erforderlich.