Kapitel 1
Die Nachricht
Es war einmal eine junge Frau namens Kiki, die bei Regiosucher arbeitete. Tag für Tag entdeckte sie neue Orte, besondere Menschen und Geschichten, die sonst vielleicht niemand bemerkt hätte. Doch an diesem Morgen erschien auf ihrem Bildschirm ein Eintrag, der dort eigentlich nicht hätte sein dürfen.
Kiki ahnte noch nicht, dass eine einzige Entscheidung ihr vertrautes Leben verändern würde. Vielleicht wartete auf sie ein ungelöstes Rätsel, eine große Liebe, eine Reise in eine fremde Welt oder etwas, für das es noch keine Erklärung gab.
Sie atmete tief durch, öffnete den unbekannten Eintrag – und ihre Geschichte begann.
Kapitel 2
Zugriff verweigert - Action
Zunächst geschah gar nichts.
Auf ihrem Bildschirm stand nur eine nüchterne Meldung:
Zugriff verweigert.
Kiki verzog den Mund. „Dann sind wir ja schon zu zweit.“
Sie bewegte den Mauszeiger zum Schließen-Symbol. In diesem Moment flackerte der Bildschirm. Das Logo von Regiosucher verschwand. Für den Bruchteil einer Sekunde sah sie eine Karte von Baden-Württemberg, darüber rote Linien, Zahlenkolonnen und mehrere gelb markierte Orte.
Karlsruhe. Pforzheim. Böblingen. Ludwigsburg.
Dann wurde der Bildschirm schwarz.
Im Büro verstummten gleichzeitig die Lüfter der Rechner. Die Deckenbeleuchtung erlosch. Nur die Notlampen über den Türen sprangen an und tauchten den Raum in blasses Grün.
„Was war das?“, rief jemand aus dem Nebenbüro.
Kiki drückte den Einschaltknopf ihres Computers. Keine Reaktion. Auch das Tischtelefon war tot. Sie griff nach ihrem Mobiltelefon. Kein WLAN. Das Mobilfunknetz zeigte zwar Empfang, doch keine Verbindung kam zustande.
Aus dem Serverraum ertönte ein Warnsignal.
Zwei kurze Töne. Pause. Zwei kurze Töne.
Kiki stand auf. Auf ihrem Telefon erschien plötzlich eine Benachrichtigung der internen Regiosucher-App:
Synchronisierung abgeschlossen. 1 Datensatz offline verfügbar.
Sie tippte darauf. Die App verlangte ein Kennwort, das sie nicht kannte.
Im Flur wurden Schritte laut.
„Die Technik ist schon da“, sagte ihr Kollege Ben erleichtert.
Kiki sah zur Uhr. Seit dem Ausfall waren kaum neunzig Sekunden vergangen.
„Die Technik kann zaubern“, murmelte sie.
Die Eingangstür öffnete sich. Drei Personen betraten das Gebäude. Dunkle Jacken, schwarze Arbeitshosen, graue Transportkoffer. Auf den Jacken standen weder Firmenname noch Logo. Der vorderste Mann hielt eine laminierte Karte hoch.
„Externer Notdienst. Alle bleiben bitte an ihren Arbeitsplätzen.“
Sein Ton war ruhig. Zu ruhig.
Kiki beobachtete, wie die Frau hinter ihm die Bürotüren kontrollierte. Der dritte Mann blieb am Ausgang stehen. Keiner von ihnen fragte nach dem Serverraum. Sie wussten bereits, wo er lag.
„Wen suchen Sie?“, fragte Ben.
Der Mann blickte nicht zu ihm. „Katharina Winter.“
Kiki erstarrte.
Fast niemand nannte sie Katharina. In der Firma stand selbst auf ihrem Türschild nur Kiki.
Sie nahm ihre Handtasche und ging rückwärts zur kleinen Teeküche. Die fremde Frau bemerkte die Bewegung.
„Frau Winter? Bleiben Sie bitte stehen.“
Kiki lächelte unsicher. „Wenn Sie meinen Computer reparieren wollen, müssen Sie da entlang.“
Sie zeigte in die entgegengesetzte Richtung und stieß im selben Augenblick die Küchentür zu. Der Schlüssel steckte innen. Sie drehte ihn herum, schob einen Stuhl unter die Klinke und riss das Fenster auf.
Dritter Stock.
„Großartig“, flüsterte sie.
Hinter der Tür schlug etwas gegen das Holz.
Neben dem Fenster verlief eine Feuertreppe. Der Abstand betrug kaum einen Meter, doch zwischen Fensterbrett und Gitter lag nichts als Luft. Kiki kletterte hinaus. Kalter Wind fuhr ihr ins Gesicht.
Die Tür bebte erneut.
Sie sprang.
Ihre Hände trafen das Geländer. Eine Schulter schlug schmerzhaft dagegen. Für einen entsetzlichen Moment rutschten ihre Finger ab. Dann bekam sie das Metall zu fassen und zog sich auf die Plattform.
Über ihr öffnete sich das Fenster.
Kiki rannte die Stufen hinunter. Nach zwei Etagen hörte sie Schritte auf der Treppe. Jemand folgte ihr.
Unten war das Gittertor mit einer Kette verschlossen. Kiki rüttelte daran, fluchte und blickte sich um. Neben dem Gebäude standen Müllcontainer. Dahinter führte eine niedrige Mauer zu einem Innenhof.
Sie kletterte über das Geländer, setzte einen Fuß auf den Deckel des ersten Containers und sprang. Der Deckel gab nach. Kiki stürzte zwischen zwei Tonnen, schlug sich das Knie auf und verlor ihre Tasche.
„Aua. Wirklich filmreif.“
Sie raffte die verstreuten Sachen zusammen. Der Schlüsselbund blieb unter einem Container liegen. Dafür hatte sie das Telefon noch.
Oben erschien der Verfolger auf der Treppe.
Kiki humpelte durch den Innenhof, stieß eine Seitentür zu einer kleinen Bäckerei auf und gelangte zwischen Mehlsäcken und Backblechen in den Verkaufsraum.
„Hinterausgang?“, fragte sie atemlos.
Die Verkäuferin zeigte wortlos auf eine Tür.
Sekunden später stand Kiki in einer belebten Straße. Menschen warteten an einer Haltestelle, Fahrräder rauschten vorbei, ein Lieferwagen blockierte die Fahrbahn. Alles wirkte normal. Nur ihr Büro hinter ihr war plötzlich zu einem gefährlichen Ort geworden.
Sie mischte sich unter die Wartenden.
Ein schwarzer Wagen bog um die Ecke.
Kiki senkte den Kopf. Der Wagen verlangsamte sich. Durch die getönten Scheiben konnte sie niemanden erkennen. Sie stieg in die erste Straßenbahn, die hielt, obwohl sie nicht wusste, wohin sie fuhr.
Erst als die Türen geschlossen waren, atmete sie aus.
Ihr Telefon vibrierte.
Die Regiosucher-App hatte den unbekannten Eintrag geöffnet. Auf dem Display erschienen verschlüsselte Dateien, eine Karte und ein Countdown.
09:17:43
Darunter stand:
ATLAS-PROTOKOLL – VOLLSTÄNDIGE KOPIE
Eine weitere Nachricht schob sich darüber.
Kiki, falls du das liest, ist das System kompromittiert. Vertraue niemandem mit Kennung B-17. Finde Dr. Aylin Demir. Pforzheim. Die Kopie darf nicht verloren gehen.
Das Telefon klingelte. Unbekannte Nummer.
Kiki nahm nicht ab.
Die Straßenbahn fuhr um eine Kurve. Durch die Heckscheibe sah sie den schwarzen Wagen neben den Schienen beschleunigen.
Auf dem Beifahrersitz saß die Frau aus ihrem Büro.
Und sie blickte direkt zu Kiki.
Wie soll die Geschichte weitergehen?
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