Kapitel 1

Die Nachricht

Von Holger Lemke, veröffentlicht am 19.07.2026

Es war einmal eine junge Frau namens Kiki, die bei Regiosucher arbeitete. Tag für Tag entdeckte sie neue Orte, besondere Menschen und Geschichten, die sonst vielleicht niemand bemerkt hätte. Doch an diesem Morgen erschien auf ihrem Bildschirm ein Eintrag, der dort eigentlich nicht hätte sein dürfen. Kiki ahnte noch nicht, dass eine einzige Entscheidung ihr vertrautes Leben verändern würde. Vielleicht wartete auf sie ein ungelöstes Rätsel, eine große Liebe, eine Reise in eine fremde Welt oder etwas, für das es noch keine Erklärung gab. Sie atmete tief durch, öffnete den unbekannten Eintrag – und ihre Geschichte begann.

Kapitel 2

Zugriff verweigert - Action

Von Holger Lemke, veröffentlicht am 19.07.2026

Zuerst geschah nichts. Der Bildschirm blieb weiß. Nur in der Mitte drehte sich ein kleiner Kreis. Kiki lehnte sich zurück und nahm einen Schluck Kaffee. Er war kalt. „Natürlich“, murmelte sie. „Geheimnisvolle Einträge funktionieren grundsätzlich erst nach dem Frühstück.“ Dann erschienen drei Zeilen: KORRIDOR SIEBEN AKTIVNULLPUNKT: 18:40 UHRVERTRAUE KEINER ZENTRALEN STELLE Darunter flimmerten Zahlenkolonnen, Kartenausschnitte und Dateinamen über den Bildschirm. Kiki erkannte Karlsruhe, Pforzheim, Böblingen und Ludwigsburg. Mehrere Symbole markierten Bahnhöfe, Tunnel, Verkehrsleitzentralen und digitale Anzeigetafeln. Sie griff nach der Maus. Der Bildschirm wurde schwarz. Im selben Moment erlosch das Licht im Büro. Die Lüftung verstummte. Telefone brachen mitten im Klingeln ab. Aus dem Großraumbüro kamen verwirrte Stimmen. „Stromausfall?“, rief jemand. „Nein“, antwortete Kiki. Ihr Notebook lief noch im Akkubetrieb, doch auch dort erschien nur Schwarz. „Das Netzwerk ist weg.“ Ein metallisches Klicken kam aus dem Flur. Die elektronische Eingangstür hatte sich entriegelt. Kiki stand auf. Durch die Glaswand sah sie zwei Männer und eine Frau das Gebäude betreten. Dunkle Kleidung, unauffällige Jacken, keine sichtbaren Waffen. Sie bewegten sich jedoch nicht wie Besucher. Sie blieben nicht am Empfang stehen. Sie teilten sich wortlos auf. Die Frau zog ein Telefon hervor und zeigte der Empfangsmitarbeiterin ein Bild. Kikis Bild. Ihr Herz schlug plötzlich so kräftig, dass sie es im Hals spürte. „Das ist absurd“, flüsterte sie. Die Frau blickte durch die Glaswand. Kiki duckte sich. „Kiki?“, fragte ihr Kollege Ben. „Was ist los?“ Sie hob einen Finger an die Lippen. „Hinterausgang.“ „Was?“ „Jetzt.“ Ben schaute zur Tür. Einer der Männer kam den Flur entlang. Kiki zog ihr Mobiltelefon vom Ladekabel, schnappte ihre Tasche und lief in Richtung Archiv. Hinter ihr rief der Fremde ihren Namen. Nicht laut. Fast freundlich. „Frau Wagner? Wir möchten nur mit Ihnen sprechen.“ Kiki beschleunigte. Das Archiv besaß keinen Ausgang, aber eine Tür zum kleinen Technikraum. Dort verliefen Kabelkanäle, Wasserleitungen und ein Zugang zur Tiefgarage. Zumindest hatte der Hausmeister das einmal erzählt, als Kiki einen Bericht über alte Karlsruher Gewerbebauten vorbereitet hatte. Sie riss die Tür auf. Dunkelheit. Der Bewegungsmelder reagierte nicht. Mit der Taschenlampe ihres Telefons fand sie die schmale Metalltreppe. Schritte näherten sich. „Frau Wagner“, rief der Mann. „Bleiben Sie stehen. Sie befinden sich in Gefahr.“ „Das habe ich erstaunlicherweise schon selbst bemerkt.“ Sie stieg hinunter. Am Ende der Treppe stand eine schwere Brandschutztür. Kiki drückte die Klinke. Abgeschlossen. Hinter ihr öffnete sich die Tür zum Technikraum. Ein Lichtstrahl glitt über die Wand. Kiki suchte hektisch nach einer anderen Möglichkeit. Neben der Brandschutztür befand sich ein grauer Kasten mit einem roten Knopf unter einer Kunststoffabdeckung. NOTENTRIEGELUNG Sie schlug die Abdeckung hoch und drückte. Ein Summer ertönte. Die Tür sprang auf. Kiki zwängte sich hindurch und zog sie zu. Der Mann erreichte sie eine Sekunde später. Seine Hand prallte gegen das Metall. „Hören Sie zu!“, rief er. „Geben Sie uns das Telefon, dann passiert Ihnen nichts.“ Kiki rannte eine Rampe hinunter. In der Tiefgarage war es beinahe vollständig dunkel. Nur die grünen Notausgangsschilder leuchteten. Ihr Wagen stand am anderen Ende. Zu weit. Sie hörte, wie die Brandschutztür geöffnet wurde. Kiki lief zwischen parkenden Fahrzeugen hindurch. Ein Motor startete. Scheinwerfer flammten auf und blendeten sie. Der zweite Mann saß in einem schwarzen Transporter und versperrte die Ausfahrt. Kiki bremste ab. Falsche Richtung. Schlechte Entscheidung. Sie drehte um, rutschte auf dem glatten Boden aus und stieß mit der Schulter gegen einen Betonpfeiler. Schmerz schoss bis in den Nacken. Ihre Tasche fiel zu Boden. Schritte kamen näher. Kiki ließ die Tasche liegen, kroch zwischen zwei Autos hindurch und erreichte eine niedrige Seitentür. Dahinter führte eine Treppe nach oben. Sie stieß die Tür auf, stolperte ins Freie und fand sich in einem Innenhof wieder. Ein Lieferfahrer entlud Getränkekisten. „Wo geht es hier raus?“, fragte sie atemlos. Er zeigte auf einen Durchgang. „Da vorne. Alles in Ordnung?“ „Nein. Aber danke.“ Sie rannte durch den Durchgang auf die Straße. Eine Straßenbahn näherte sich der Haltestelle. Kiki sprang hinein, unmittelbar bevor sich die Türen schlossen. Der Mann aus der Tiefgarage erschien auf dem Gehweg. Er hob sein Telefon und fotografierte die Bahn. Kiki sank auf einen Sitz. Ihre Hände zitterten. Sie versuchte, die Polizei anzurufen. Das Telefon zeigte Empfang, doch der Anruf brach sofort ab. Auch eine Nachricht an Ben ließ sich nicht senden. Dann vibrierte das Gerät. Eine Mitteilung erschien: OFFLINE-DATEN WIEDERHERGESTELLT: 1 PAKET Kiki öffnete die Regiosucher-App. Sie nutzte normalerweise eine automatische Zwischenspeicherung, damit regionale Einträge auch in Gegenden mit schlechtem Empfang bearbeitet werden konnten. Offenbar hatte die Anwendung die unbekannten Daten Sekunden vor dem Ausfall synchronisiert. Auf dem Display erschien ein verschlüsselter Ordner. KORRIDOR_7 Darunter stand: EINZIGE VOLLSTÄNDIGE KOPIE Kiki starrte auf die Worte. Ihr Magen zog sich zusammen. Die Straßenbahn setzte sich in Bewegung. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite fuhr der schwarze Transporter an. Er hielt mit ihr Schritt.

Kapitel 3

Verfolgung durch Karlsruhe - Action 2

Von Holger Lemke, veröffentlicht am 19.07.2026

Kiki stieg am Europaplatz aus, obwohl sie eigentlich weiterfahren wollte. Sie hoffte, die Menschenmenge würde ihr Deckung geben. Es war kurz nach neun. Lieferwagen blockierten Seitenstraßen, Fahrräder schossen zwischen Fußgängern hindurch, Straßenbahnen kreuzten sich quietschend auf den Gleisen. Unter normalen Umständen mochte Kiki dieses geordnete Chaos. Jetzt sah jeder dunkle Wagen wie eine Bedrohung aus. Sie schaltete ihr Telefon in den Flugmodus. Wenn die Angreifer es über das Mobilfunknetz suchten, sollte es ihnen wenigstens nicht helfen. Zwei Straßen weiter betrat sie ein Café, lieh sich das Telefon der Bedienung und wählte die Nummer von Miriam Seidel. Miriam arbeitete in einer regionalen IT-Sicherheitsberatung und hatte Regiosucher vor einem Jahr bei einem Datenschutzproblem geholfen. Kiki kannte sie als misstrauisch, direkt und erschreckend gründlich. Nach dem dritten Klingeln ging eine Männerstimme ans Telefon. „Büro Seidel.“ Kiki legte auf. Miriam hatte kein Büro und keinen Assistenten. Sie verließ das Café durch den Hinterausgang. Auf der Kaiserstraße entdeckte sie die Frau aus dem Regiosucher-Gebäude. Sie stand neben einer Haltestelle und sprach in ein kaum sichtbares Mikrofon. Kiki drehte sich um. Der erste Mann kam aus einem Geschäft hinter ihr. Sie rannte. Ein Warnruf ertönte, als sie vor einer Straßenbahn über die Gleise sprang. Der Fahrer bremste. Metall kreischte. Kiki erreichte die andere Seite und lief in Richtung Marktplatz. Die Verfolger trennten sich. Die Frau blieb parallel zu ihr auf der Kaiserstraße. Der Mann nahm eine Seitenstraße. Sie kannten die Stadt nicht so gut wie Kiki. Aber sie bekamen Hilfe. Auf den digitalen Anzeigen der Haltestellen verschwanden plötzlich die Abfahrtszeiten. Stattdessen erschien: TECHNISCHE STÖRUNG – BEREICH MEIDEN Eine Polizeistreife bog auf den Marktplatz ein. Für einen Moment empfand Kiki Erleichterung. Dann stieg ein Beamter aus, sah direkt zu ihr und griff nach seinem Funkgerät. Die Frau an der Haltestelle zeigte auf Kiki. Kiki blieb nicht stehen. Sie lief am Marktplatz vorbei, tauchte in eine Passage ein und stieß beinahe mit einem Mann zusammen, der einen Stapel Pakete trug. „Entschuldigung!“ „Sind Sie verrückt?“ „Im Augenblick wahrscheinlich.“ Am hinteren Ausgang nahm sie die Rolltreppe nach unten. Das Zwischengeschoss führte zu mehreren Haltestellen und Ausgängen. Kiki kannte die Wege von einem Regiosucher-Beitrag über die Umgestaltung der Innenstadt. Sie sprang in eine Bahn Richtung Durlach. Kurz vor dem Schließen der Türen sah sie den Mann die Treppe hinunterkommen. Er schaffte es ebenfalls hinein. Kiki ging durch den Wagen. An der nächsten Haltestelle öffneten sich die Türen auf beiden Seiten. Sie täuschte an, rechts auszusteigen, drehte sich im letzten Moment und sprang links hinaus. Der Mann reagierte zu spät. Die Türen schlossen sich zwischen ihnen. Er schlug mit der Hand gegen die Scheibe. Kiki rannte die Treppe hinauf. Oben blieb sie kurz stehen, rang nach Luft und musste sich an einem Geländer festhalten. Ihre Schulter pochte. Die Knie fühlten sich weich an. Sie war keine Heldin. Sie wollte zurück ins Büro, Ben anrufen und sich darüber beschweren, dass jemand die Kaffeemaschine falsch eingestellt hatte. Stattdessen wurde sie von Menschen gejagt, die offenbar Verkehrsanzeigen und vielleicht sogar Polizeifunk beeinflussen konnten. Am Ettlinger Tor betrat sie ein großes Kaufhaus. In einer Umkleidekabine zog sie ihre helle Jacke aus, band die Haare zusammen und setzte eine günstige Sonnenbrille auf. Die Verwandlung war lächerlich, aber sie musste nur für einen flüchtigen Blick genügen. Über das Kunden-WLAN schickte sie Miriam eine Nachricht: Regiosucher angegriffen. Korridor 7. Telefon kompromittiert. Treffpunkt dort, wo die Stadt unter den Gleisen verschwand. 30 Minuten. Der Satz bezog sich auf einen alten Artikel, den Miriam ihr einmal geschickt hatte. Darin ging es um einen stillgelegten Zugang unter einem ehemaligen Güterbereich am Rand der Stadt. Miriam würde den Hinweis verstehen. Hoffentlich. Eine Antwort kam sofort. Bring niemanden mit. Auch nicht Brandt. Kiki kannte Tobias Brandt. Er war stellvertretender Leiter einer behördenübergreifenden Koordinierungsstelle für digitale Infrastruktur. Bei zwei Projekten hatte er Regiosucher freundlich und unkompliziert geholfen. Warum warnte Miriam ausdrücklich vor ihm? Kiki verließ das Kaufhaus durch den Lieferbereich. In der Tiefgarage stand eine Reihe von Mietfahrrädern. Sie nahm eines und fuhr durch den Ausgang, bevor die Schranke ganz geöffnet war. Der schwarze Transporter wartete auf der Straße. Er setzte sich in Bewegung. Kiki bog scharf ab, überquerte einen Platz und fuhr durch eine schmale Passage, die für Autos gesperrt war. Der Transporter musste außen herum. Sie erreichte den Bereich hinter dem Hauptbahnhof. Ein zweiter Wagen tauchte vor ihr auf. Kiki bremste, sprang vom Fahrrad und lief eine Treppe hinunter. Unten führte ein Fußgängertunnel unter den Gleisen hindurch. Pendler kamen ihr entgegen. Rollkoffer schlugen über die Fugen. Am Ende des Tunnels wartete Tobias Brandt. Grauer Mantel, offene Hände, besorgtes Gesicht. „Kiki“, sagte er. „Gott sei Dank. Kommen Sie zu mir.“ Sie blieb stehen. „Woher wissen Sie, dass ich hier bin?“ Brandt zögerte nur einen Augenblick. „Ihr Arbeitgeber hat uns informiert.“ „Regiosucher ist seit dem Angriff offline.“ „Wir überwachen derzeit mehrere Kommunikationswege.“ Hinter Kiki erschienen die Frau und einer der Männer im Tunnel. Brandt trat näher. „Sie haben Daten, die zur nationalen Sicherheit gehören. Geben Sie mir das Telefon.“ Kiki dachte an Miriams Nachricht. Auch nicht Brandt. „Natürlich“, sagte sie. Sie griff in ihre Hosentasche, zog das Gerät heraus und hielt es ihm hin. Brandts Blick wanderte sofort zum Display. Das genügte. Kiki warf das Telefon nicht zu ihm, sondern über das Geländer neben sich. Es fiel auf ein Förderband für Gepäckwagen, das in einen abgesperrten Versorgungsgang führte. Brandt fuhr herum. „Nein!“ Alle drei liefen dem Telefon nach. Kiki rannte in die entgegengesetzte Richtung. Nach zwanzig Metern blieb sie hinter einem Pfeiler stehen und zog ihr echtes Mobiltelefon aus dem Hosenbund. Geworfen hatte sie ein altes Vorführgerät aus ihrer Tasche, das äußerlich beinahe identisch aussah. Zum ersten Mal an diesem Morgen lächelte sie. „Technisches Verständnis“, flüsterte sie. „Gelegentlich doch nützlich.“ Am vereinbarten Treffpunkt wartete Miriam in einem unscheinbaren Kleinwagen. „Einsteigen“, sagte sie. Kiki warf sich auf den Beifahrersitz. „Brandt arbeitet mit ihnen.“ Miriam fuhr los. „Dann sind wir später dran, als ich gehofft hatte.“ „Womit?“ Miriam reichte ihr ein ausgedrucktes Foto. Darauf war eine Frau mit kurzen dunklen Haaren zu sehen. „Das ist Dr. Lena Kern“, erklärte sie. „Systemarchitektin bei Vektor Systems. Sie hat vor drei Tagen versucht, mich zu kontaktieren.“ „Hat sie den Eintrag geschickt?“ „Vermutlich.“ „Wo ist sie jetzt?“ Miriam sah in den Rückspiegel. Der schwarze Transporter bog hinter ihnen auf die Straße. „Wenn wir Pech haben“, sagte sie, „in den Händen der Leute, die uns gerade folgen.“

Fortsetzung bewerten

0 Bewertungen · gewichteter Wert 0,00 von 5

Bitte melden Sie sich an, um diese Fortsetzung zu bewerten.

Wie soll die Geschichte weitergehen?

Fortsetzungen nach Beliebtheit sortieren

Die Spur nach Pforzheim - Action 2

Miriam nahm nicht die Autobahn nach Pforzheim. Sie fuhr über Nebenstraßen, wechselte zweimal die Richtung und hielt schließlich an einem Parkplatz am Waldrand. „Handy“, sagte sie. Kiki gab es ihr widerwillig. Miriam legte das Gerät in…

Holger Lemke · 19.07.2026
Bewertung: 0 · 1 weitere Fortsetzungen

Eine Fortsetzung vorschlagen

Sie sind derzeit nicht berechtigt, eine Fortsetzungsidee einzureichen.

Kommentare (0)

Noch keine Kommentare vorhanden.

Zum Kommentieren ist eine Anmeldung erforderlich.